Egal in welches Land man geht, das Wesentliche ist gleich. Es ist wie Surfen: Am Anfang fällt es schwer, auf dem Brett zu stehen. Doch wenn man einmal die Welle erwischt hat, sollte man diese Erinnerung bewahren – dann gelingt es wieder. Kulturen sind verschieden, aber wir sind alle Menschen. Menschen mit Leidenschaft ziehen andere an. Das Leben ist nur einmal da – wagt große Wellen und genießt es in vollen Zügen!
Was hat Sie dazu bewegt, nach Deutschland und besonders nach Aachen zu kommen?
Serina aus Japan. Deutschland ist ein wirtschaftlich sehr starkes Land und weist insbesondere im deutschsprachigen Raum ein hohes Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf. An diesem Ort wollte ich meine geschäftlichen Möglichkeiten und meinen Lebensstil erweitern.
Wie waren die ersten Monate? Was war die größte Herausforderung?
Am Anfang konnte ich kaum Deutsch sprechen. Ich konnte nur „Hallo“ sagen. Ich erinnere mich gut daran, wie schwer es war, im Supermarkt einzukaufen. Jeder Alltag war eine Herausforderung, und ich war oft unsicher, aber gleichzeitig war ich auch aufgeregt, welche Zukunft mich erwartet, wenn ich die Sprache beherrsche. Das Deutschlernen war dann doch härter als erwartet, und ich habe manchmal geweint und mich durchgebissen.
Wie haben Sie Deutsch gelernt? Gab es besonders hilfreiche Kurse oder Programme?
Ich habe eine Sprachschule besucht und dort von A1 bis C1 gelernt. Der Unterricht von A1 bis B1 fand in Präsenz statt, während ich aufgrund der Corona-Pandemie die B2- und C1-Kurse online absolvierte. Es war eine sehr wertvolle Erfahrung, gemeinsam mit meinen Mitschülern zu lernen.
In den Anfängerkursen (A1–B1) habe ich besonders großen Wert auf die Grundlagen gelegt: Ich habe die CDs aus dem Lehrbuch immer wieder angehört – so oft, dass ich sie fast auswendig konnte.
Später hatte ich immer mehr Gelegenheiten, mit Freunden auf Deutsch zu sprechen, und ich habe verschiedenste Medien genutzt: deutsche Filme, YouTube-Videos, Nachrichten und Podcasts – ich habe so viel wie möglich auf Deutsch gehört.
Ich bin überzeugt, dass das Hörverstehen der wichtigste Teil beim Sprachenlernen ist – es ähnelt dem natürlichen Lernprozess der Muttersprache. Durch kontinuierliches Lernen konnte ich nicht nur meine Sprachkenntnisse verbessern, sondern auch viele neue Kontakte knüpfen.
Was waren die größten Schwierigkeiten im Alltag als Migrantin? Wie haben Sie diese überwunden?
Es hat einige Zeit gedauert, bis ich die kulturellen Unterschiede wirklich akzeptieren konnte. Manchmal war ich sogar bei ganz einfachen Dingen überfordert und stand kurz vor einer Panik.
Was mir sehr geholfen hat, war, dass ich Freunde in Aachen hatte. Außerdem befindet sich in Düsseldorf eine der größten japanischen Gemeinschaften in Europa, was mir ebenfalls viel Unterstützung gegeben hat.
Wenn man die Sprache nicht versteht, fühlt man sich schnell einsam. Ich bin ein eher impulsiver Mensch und bin schon drei Tage nach meiner Ankunft losgezogen, um einen Job zu finden. Eine Woche später wurde ich allerdings gekündigt – da habe ich gemerkt, dass „Hallo“ allein nicht ausreicht.
Wenn die Einsamkeit zu stark wurde, bin ich vorübergehend nach Japan zurückgekehrt, um bei Familie und Freunden neue Energie zu tanken. Aber ich hatte den starken Wunsch, hier wirklich etwas zu erreichen – und ich bin froh, dass ich das geschafft habe.
Wie haben Sie beruflich angefangen?
Meine Situation war ein wenig besonders, da mein Großvater und mein Vater in Japan selbstständig waren. Deshalb hatte ich keine Schwierigkeiten, eigene Geschäftsideen zu entwickeln oder Netzwerke aufzubauen.
Für mich ist es besonders wichtig, die eigenen Stärken mit denen anderer zu verbinden, um gemeinsam neue Werte zu schaffen. Auf diese Weise konnte ich viele wertvolle Kontakte knüpfen.
Ich hoffe, auch in Zukunft solche Möglichkeiten weiter auszubauen und neue Projekte mit engagierten Menschen zu verwirklichen.
Welche Schritte waren wichtig, um in Ihrem Berufsfeld wieder aktiv zu werden? (z. B. Anerkennung von Qualifikationen, Praktika, Netzwerke, Bewerbungsunterstützung)
Ich interessiere mich sehr für Sprachen und habe den C1-Kurs erfolgreich abgeschlossen. Das hat die Kommunikation mit anderen Menschen deutlich erleichtert.
Ich bringe eigene Ideen ein und arbeite mit verschiedenen Partnern zusammen – inzwischen bekomme ich auch konkrete Jobangebote.
Von erfahrenen Personen lasse ich mir gerne Ratschläge geben und setze diese direkt in die Praxis um. Bevor ich ein neues Projekt beginne, lege ich großen Wert auf ein gründliches Vorgespräch, damit beide Seiten mit einem guten Gefühl starten können.
Da ich oft vor Publikum stehe, achte ich besonders auf meine körperliche und geistige Gesundheit: Ich praktiziere Yoga und Meditation, trainiere regelmäßig Nihon Buyō (japanischen Tanz), verzichte auf Alkohol und Nikotin, ernähre mich bewusst, achte auf einen geregelten Schlafrhythmus – und ich schreibe jeden Tag Tagebuch, um reflektiert und ausgeglichen zu bleiben.
Wie beeinflusst Ihre kreative Tätigkeit (z.B. Tanz oder kulturelle Projekte) Ihr Leben hier?
Als Nicht-Deutsche habe ich trotz Sprachstudium gewisse Nachteile. Dafür unterstütze mich mein Umfeld immer sehr. Durch meine Aktivitäten als Nihon Buyō-Tänzerin, Sängerin und im Bereich Personalvermittlung bemühe ich mich, Japan in Deutschland und weltweit nahbar zu machen. Ich freue mich, wenn durch meine Arbeit die Freundschaft zwischen Japan und Deutschland vertieft wird. Ich liebe es, gemeinsam etwas zu schaffen und möchte solche Projekte hier weiter ausbauen.
Wie verbinden Sie Ihre japanische kulturelle Identität mit dem Leben in Deutschland?
Das überschneidet sich etwas mit der vorherigen Frage, aber ich möchte die wahre Schönheit Japans vermitteln. Durch meine Aktivitäten und die meines Umfelds hoffe ich, dass mehr Menschen Interesse an Japan zeigen und eine freundschaftliche Beziehung zu Deutschland, Europa und der Welt entsteht. Es geht mir nicht nur um oberflächlichen Austausch, sondern um tiefe Verbindung durch Kultur und Herz – das ist meine größte Freude.
Welchen Rat würden Sie Migranten geben, die ein Leben in Deutschland beginnen?
Egal in welches Land man geht, das Wesentliche ist gleich. Es ist wie Surfen: Am Anfang fällt es schwer, auf dem Brett zu stehen. Doch wenn man einmal die Welle erwischt hat, sollte man diese Erinnerung bewahren – dann gelingt es wieder. Kulturen sind verschieden, aber wir sind alle Menschen. Menschen mit Leidenschaft ziehen andere an. Das Leben ist nur einmal da – wagt große Wellen und genießt es in vollen Zügen!
Welche Träume oder Pläne haben Sie für die Zukunft in Aachen oder anderswo?
Aachen ist für mich wie eine zweite Heimat geworden. Diese Stadt hat mich unterstützt, wenn ich draußen gekämpft und mich immer wieder aufgerappelt habe, sodass ich zu mir selbst zurückfinden konnte. Mit diesem Rückhalt möchte ich meine Aktivitäten nicht nur in Deutschland, sondern auch in ganz Europa und sogar weltweit ausweiten.
Jeden Tag gehe ich geerdet meinen Weg und frage mich durch Yoga und Meditation: „Was möchte ich eigentlich wirklich tun?“ Wenn meine Arbeit für jemanden Hoffnung oder Mut bedeutet, wäre das für mich die größte Freude.